Roussillon | Jahrgang 2022
Im Roussillon gestalten sich die Wetterbedingungen während der gesamten Vegetationsperiode 2022 kontrastreich und komplex. Zwar kam es im November 2021 und im März 2022 zu ergiebigen Regenfällen. Diese lagen jedoch zwischen langen, intensiven Trockenperioden, die von großer Hitze begleitet waren. Von April bis September wurden sehr hohe Temperaturen gemessen, die 1,5 bis 3 °C über den Durchschnittswerten der Vorjahre lagen. Gleichzeitig nahmen die ab April beobachteten Niederschlagsdefizite in den Folgemonaten von Mai bis August weiter zu. Zu Beginn des Vegetationszyklus konnten die Reben von den Wasserreserven aus dem Frühjahr profitieren, was zu einem leicht späteren Austrieb als üblich führte. Diese Tendenz konnte der drastische Wechsel der Witterungsbedingungen jedoch umkehren: Das Wachstum der Pflanzen wurde beschleunigt. So setzte die Rebblüte, die in diesem Jahr im Durchschnitt um den 22. Mai begann, im Vergleich zu den vergangenen 20 Jahren um 9 Tage früher ein. Die Frühreife hielt an: Die Traubenreife schritt rasch voran und ging mit einer ausgeprägten Beerenkonzentration einher. Die Lese begann daher außergewöhnlich früh (bereits am 4. August!), zog sich in der Folge jedoch aufgrund von Reifeunterschieden in den Weinbergen über einen langen Zeitraum hin. Alles in allem waren die Erträge durchschnittlich, und die regionale Produktion verzeichnete einen leichten Anstieg gegenüber den beiden Vorjahren (die allerdings von geringen Mengen geprägt waren). Die Trauben wurden in gesundem Zustand geerntet und wiesen meistens hohe Zuckergehalte und niedrige Säurewerte auf. Die Weißweine präsentieren sich genussvoll mit schönen Frucht- und Blütenaromen und bewahren am Gaumen eine gewisse Lebendigkeit. Die Rotweine zeigen sehr vielfältige Profile. Gemeinsam sind beiden die klar konturierte, bisweilen reife Frucht und eine schöne Fülle, wobei sie zugleich ihre Frische bewahren.





















