Loiretal | Jahrgang 2022
Der Winter begann im Loiretal vergleichsweise milde; die Monate März und April brachten dann eine für die Jahreszeit typische Sonnenscheindauer bei ausreichendem Niederschlag. Der Vegetationszyklus der Rebe setzte unter diesen Bedingungen relativ früh ein, war jedoch noch nicht allzu weit fortgeschritten, als Anfang April mehrere Frostwellen die Weinberge trafen. Insbesondere in der Centre-Loire und im Muscadet kam es teils zu Verlusten von 20 bis 30 %. Im weiteren Verlauf änderten sich die Wetterbedingungen: Anhaltende Hitze und Trockenheit setzten ein. Bereits Mitte Mai wurden in zahlreichen Weinbaugebieten wie in Centre-Loire ungewöhnlich hohe Temperaturen nahe 30 °C gemessen. Zum Glück setzten im Juni teils kräftige Regenfälle ein und kamen den Reben zugute. Der besonders trockene, heiße Sommer ging mit den hier unvermeidlichen, teils heftigen Hagelgewittern einher. Insbesondere in in der Touraine wurden einige Regionen, wie etwa das Bourgueil, stark in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt variierten die Reifegrade je nach Böden, Rebsorten und Alter der Reben deutlich: Mancherorts begann die Lese bereits am 10. August, auch wenn ein Großteil der Weinberge von den willkommenen Regenfällen Mitte August profitierte und man später mit der Lese beginnen konnte. Genau hier entschied sich die Qualität des Jahrgangs – so konnten besonders die Rotweinen eine sehr hohe Reife erreichen und bewahrten dabei eine bemerkenswerte Ausgewogenheit. Generell präsentieren sich die Weine fleischig, mit viel Substanz und intensiver roter Frucht. Die lange Ausreifung bis in den September hinein sorgte für samtig-weiche Gerbstoffe. Unterm Strich entstehen charaktervolle, reife und seidige Weine, die dennoch eine schöne Frische bewahren, mit den Chinons als den großen Erfolgen dieses Jahrgangs. Bei den Weißweinen weisen die Schaum- und Stillweine in der Regel eine eher niedrige Säure auf und bieten am Gaumen ein relativ breites, vollmundiges, cremiges Profil. Trotzdem bewahren sie in der Regel eine gewisse Geradlinigkeit. Oft verströmen sie Aromen von vollreifen Früchten, gelegentlich exotisch bis hin zu kandierten Früchten. Die ungewöhnlichen Bedingungen dieses Jahrgangs ermöglichten es dem Melon de Bourgogne, eine sehr schöne Reife zu erreichen und eine bemerkenswerte aromatische Komplexität zu entfalten. Die Muscadet-Weine sollten daher als eine der ganz großen Erfolgsgeschichten der Region in die Annalen eingehen. Schließlich ermöglichte die Witterung im Spätherbst die Erzeugung edelsüßer Chenin-Blanc-Weine von hoher Qualität.















































































